
Bild: frimufilms
Ein Reel dauert vielleicht 30 Sekunden. Eine falsche Anlageentscheidung kann Sie dagegen über Jahre verfolgen.
Finanzthemen sind auf Instagram, TikTok, YouTube und LinkedIn längst angekommen. Das ist zunächst eine gute Entwicklung, denn Menschen beschäftigen sich mit ihrer Altersvorsorge, lernen Begriffe wie ETF, Diversifikation oder Zinseszinseffekt kennen und beginnen, ihre finanzielle Zukunft ernster zu nehmen.
Problematisch wird es allerdings, wenn Reichweite mit Fachkompetenz, Unterhaltung mit Finanzbildung und ein kurzfristiger Trading-Erfolg mit einer fundierten Beratung vom ausgebildeten Fachmann verwechselt werden. Denn zwischen einem verständlichen Erklärvideo und einem unseriösen Investment-Angebot liegen manchmal nur wenige Klicks.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Finfluencer, Börsenplanspiele, Copy Trading und Investment-Angebote auf Social Media einordnen können und woran Sie erkennen, ob Sie gerade Wissen vermittelt bekommen oder zu einer riskanten Entscheidung gedrängt werden.
Stand: Juli 2026 – Regelungen können sich ändern.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Finanzinhalte auf Social Media so überzeugend wirken
- Sind Finfluencer grundsätzlich unseriös?
- Was Börsenplanspiele vermitteln und was nicht
- Wie Anlagebetrug über Social Media funktioniert
- Warum Copy Trading keine Abkürzung ist
- Warnsignale für unseriöse Investment-Angebote
- Der König-Finanzen-Check: Person, Produkt und Plan
- Was zu einer seriösen Anlagestrategie gehört
- Was Sie nach einer verdächtigen Einzahlung tun sollten
- Fazit
Das Wichtigste in Kürze
- Nicht jeder Finfluencer ist unseriös. Likes, Followerzahlen und selbstbewusstes Auftreten allein sind allerdings auch keine fachlichen Qualifikationen.
- Ein Börsenplanspiel kann Interesse wecken. Wird ausschließlich die höchste Rendite innerhalb weniger Wochen belohnt, trainiert es jedoch eher Risikobereitschaft als langfristiges Investieren.
- Besonders kritisch sind garantierte Gewinne, künstlicher Zeitdruck, undurchsichtige Vergütungen und die Verlagerung des Kontakts in Messenger-Gruppen.
- Social Trading und Copy Trading ersetzen weder eine eigene Prüfung noch eine auf Ihre Situation abgestimmte Strategie.
- Ein Social-Media-Beitrag kann ein sinnvoller Denkanstoß sein. Er sollte aber niemals die alleinige Grundlage für eine größere Anlageentscheidung bilden.
Warum Finanzinhalte auf Social Media so überzeugend wirken
Soziale Medien sind für Finanzthemen wie geschaffen. Komplexe Zusammenhänge werden in kurze Videos, einfache Grafiken und griffige Aussagen übersetzt. Der Mensch hinter dem Inhalt spricht direkt in die Kamera, erzählt von eigenen Erfahrungen und wirkt dadurch persönlicher als eine anonyme Bankbroschüre oder ein umfangreicher Verkaufsprospekt. Das kann Finanzwissen zugänglicher machen. Es kann aber auch einen falschen Eindruck von Sicherheit erzeugen.
Die Algorithmen der Plattformen belohnen selten die ausgewogenste Analyse. Sie belohnen Aufmerksamkeit. Ein Beitrag mit der Aussage „Diese Aktie sollten Sie jetzt kaufen“ wird eher angeklickt als ein nüchterner Hinweis darauf, dass eine Anlageentscheidung vom Zeithorizont, der Risikotragfähigkeit, der Liquiditätsplanung, den Kosten und der bestehenden Vermögensstruktur abhängt.
Die BaFin beobachtet seit einigen Jahren einen zunehmenden Einfluss von Finfluencern auf jüngere Anleger. Für 2026 hat die Finanzaufsicht den Einfluss sozialer Medien auf Anlageentscheidungen im Zusammenhang mit Kryptowerten sogar ausdrücklich als relevantes Verbraucherrisiko benannt.
Das eigentliche Problem ist dabei nicht, dass Finanzwissen auf Social Media stattfindet, sondern wenn:
- Jemand erklärt, wie ein ETF oder eine Aktie grundsätzlich funktioniert.
- Jemand Geld, Provisionen oder andere Vorteile dafür erhält, ein Angebot vorzustellen.
- Jemand seine Zuschauer direkt oder indirekt dazu auffordert, ein bestimmtes Finanzinstrument zu kaufen oder zu verkaufen.
Für den Zuschauer ist diese Grenze häufig kaum erkennbar.
Sind Finfluencer grundsätzlich unseriös?
Nein, eine pauschale Verurteilung funktioniert auch hier nicht. Es gibt fachlich qualifizierte Personen, die Finanzthemen verständlich aufbereiten, Quellen offenlegen und Risiken angemessen darstellen. Ebenso gibt es Menschen ohne formale Finanzqualifikation, die dennoch sorgfältig recherchieren und wertvolle Grundlagen vermitteln.
Auf der anderen Seite gibt es Anbieter, deren eigentliche Einnahmequelle nicht der eigene Anlageerfolg ist, sondern der Verkauf von Coachings, Mitgliedschaften, Handelssignalen, Affiliate-Links oder einzelnen Finanzprodukten.
Entscheidend ist deshalb weniger die Berufsbezeichnung als die Frage: Wie transparent geht die Person mit ihrem Wissen, ihren Interessen und ihren Grenzen um?
Die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA weist darauf hin, dass bereits Social-Media-Beiträge, Videos oder andere öffentliche Äußerungen als Anlageempfehlung gelten können, wenn darin direkt oder indirekt zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments geraten wird. Wer solche Empfehlungen veröffentlicht, soll unter anderem Fakten und persönliche Meinungen trennen, zuverlässige Quellen verwenden und Interessenkonflikte offenlegen.
Ein eingeblendeter Satz wie „Keine Anlageberatung“ allein löst das grundlegende Problem daher nicht. Er sagt noch nichts darüber aus, ob die Informationen richtig, vollständig und für den Zuschauer geeignet sind.
Gute Finanzinhalte erkennen Sie häufig daran, dass sie …
- Risiken ebenso deutlich benennen wie Chancen,
- keine sichere Rendite versprechen,
- zwischen Meinung und belegbaren Fakten unterscheiden,
- Kosten, Laufzeiten und mögliche Verluste ansprechen,
- Vergütungen und Kooperationen offenlegen,
- Quellen nennen,
- keine künstliche Dringlichkeit erzeugen,
- und offen sagen, für wen ein Ansatz nicht geeignet ist.
Wer dagegen behauptet, eine bestimmte Strategie funktioniere praktisch immer, sollte besonders kritisch geprüft werden.
Was Börsenplanspiele vermitteln und was nicht
Börsenplanspiele verfolgen grundsätzlich ein nachvollziehbares Ziel: Junge Menschen sollen ohne echtes Verlustrisiko lernen, wie Wertpapierhandel funktioniert.
Das Schüler-Börsenspiel Tradity stellt beispielsweise ein virtuelles Startkapital von 100.000 „Tradity-Coins“ zur Verfügung. Gehandelt wird auf Basis von Echtzeitdaten der Börse Lang & Schwarz. Die Teilnehmer verwalten ein eigenes Portfolio und vergleichen ihre Performance mit Freunden und anderen Schulen.
Daran ist zunächst nichts Verwerfliches. Ein solches Spiel kann Begriffe greifbar machen, Neugier wecken und Berührungsängste gegenüber dem Kapitalmarkt abbauen.
Die entscheidende Frage lautet allerdings: Was wird durch die Regeln belohnt?
Wenn innerhalb weniger Wochen ausschließlich die höchste Rendite gewinnt, entsteht ein Zielkonflikt. Wer breit streut, Risiken begrenzt und langfristig denkt, wird in einem kurzen Wettbewerb kaum an der Spitze landen. Wer dagegen wenige, besonders volatile Werte auswählt und Glück hat, kann außergewöhnlich hohe Ergebnisse erzielen.
Das Spiel belohnt damit möglicherweise genau das Verhalten, das für einen langfristigen Vermögensaufbau problematisch wäre, sprich: starke Konzentration auf einzelne Werte, häufiges Handeln, Orientierung an kurzfristigen Kursbewegungen, hohe Risikobereitschaft bzw. zu geringes Risikobewusstsein und daran anknüpfend die Verwechslung von Glück mit dauerhaftem Können.
Hinzu kommt: Spielgeld fühlt sich anders an als echtes Geld. Ein virtueller Verlust von 30.000 „Tradity-Coins“ verändert weder die eigene Lebensplanung noch den nächsten Urlaub. Die emotionale Belastung eines realen Verlusts von z. B. 30.000 Euro dagegen lässt sich nur sehr eingeschränkt simulieren.
Börsenplanspiele sind deshalb nicht grundsätzlich schlecht
Sie benötigen aber einen vernünftigen pädagogischen Rahmen. Ein gutes Börsenplanspiel sollte nicht nur den höchsten Depotwert auszeichnen. Denkbar wären unserer Meinung nach zusätzliche Kriterien wie:
- nachvollziehbare Anlageentscheidungen,
- angemessene Diversifikation,
- begründeter Anlagehorizont,
- Begrenzung größerer Verluste,
- Berücksichtigung von Kosten,
- Dokumentation der eigenen Strategie,
- und eine kritische Auswertung nach dem Ende des Spiels.
Dann würde nicht nur gefragt: „Wer hat am meisten gewonnen?“, sondern auch: „Wer hat verstanden, warum eine Entscheidung sinnvoll oder riskant war?“
Der Bedarf an guter Finanzbildung ist unbestritten. Die MetallRente-Jugendstudie 2025 untersuchte 2.500 Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren und zeigt weiterhin einen erheblichen Informations- und Orientierungsbedarf rund um Finanzen und Altersvorsorge. Gerade deshalb kommt es nicht nur darauf an, dass Finanzbildung angeboten wird, sondern auch was sie vermittelt.
Anlagebetrug über Social Media
Nicht jedes zweifelhafte Investment-Angebot ist sofort als Betrug erkennbar. Im Gegenteil: Viele Plattformen, Anzeigen und Ansprechpartner wirken äußerst professionell.
Die Verbraucherzentralen beschreiben einen wiederkehrenden Ablauf:
1. Aufmerksamkeit durch Werbung oder Videos
Am Anfang steht häufig eine Anzeige auf Instagram, Facebook, TikTok oder YouTube. Gezeigt werden Luxus, vermeintliche Kontoauszüge, Erfolgsgeschichten oder angebliche Empfehlungen bekannter Persönlichkeiten. Inzwischen werden hierfür auch manipulierte Bilder und KI-generierte Deepfake-Videos verwendet.
2. Verlagerung in einen Messenger
Nach dem ersten Klick soll die Kommunikation über WhatsApp, Telegram, Signal oder eine geschlossene Chatgruppe weitergeführt werden. Dort lassen sich Inhalte leichter löschen, Teilnehmer gezielt ansprechen und kritische Nachfragen kontrollieren.
3. Persönlicher Kontakt
Ein vermeintlicher Broker, Analyst oder „Profi-Trader“ meldet sich. Der Kontakt ist freundlich, aufmerksam und wirkt individuell. Häufig wird zunächst nicht aggressiv verkauft, sondern Vertrauen aufgebaut.
4. Kleine erste Einzahlung
Der Einstieg erfolgt oft mit einem überschaubaren Betrag im niedrigen dreistelligen Bereich. Die Hemmschwelle soll möglichst gering bleiben.
5. Sichtbare Gewinne
Auf einer professionell wirkenden Plattform steigt das angebliche Guthaben. Diese Gewinne müssen allerdings nicht real sein. Bei betrügerischen Portalen können Kontostände und Kursentwicklungen vollständig simuliert werden.
6. Weitere Einzahlungen
Der angebliche Erfolg dient als Beweis, dass die Methode funktioniert. Nun wird zu höheren Beträgen gedrängt – teilweise sogar unter Hinweis auf eine einmalige Marktchance.
7. Probleme bei der Auszahlung
Sobald Geld ausgezahlt werden soll, entstehen plötzlich Gebühren, Steuern, Sicherheitsleistungen oder weitere Nachweispflichten. Teilweise werden zusätzliche Ausweiskopien, Kreditkartendaten oder eine weitere Einzahlung verlangt. Spätestens an diesem Punkt zeigt sich häufig, dass weder die Gewinne noch das vermeintliche Depot real waren.
Besonders kritisch ist die Aufforderung, Fernwartungssoftware zu installieren. Wer einem Fremden Zugriff auf Computer oder Smartphone gewährt, riskiert nicht nur das investierte Geld, sondern möglicherweise auch Zugangsdaten, Bankkonten und persönliche Dokumente und vieles mehr.
Copy Trading ist keine magische Abkürzung
Beim Social Trading können Anleger beobachten, wie andere Nutzer investieren. Beim Copy Trading werden deren Transaktionen teilweise automatisch auf das eigene Konto übertragen.
Das klingt zunächst bequem: Man folgt einem erfolgreichen Trader und muss selbst keine Entscheidungen mehr treffen.
Realiter wird damit jedoch nur die sichtbare Transaktion kopiert. Die persönliche Situation bleibt hierbei völlig außen vor. Sie kennen in der Regel nicht dessen gesamtes Vermögen, weitere Absicherungen, vorhandene Verlustpositionen, die steuerliche Situation, tatsächliche Risikotoleranz, finanzielle Verpflichtungen oder den Zeitpunkt, zu dem die Strategie beendet wird.
Ein Anleger mit mehreren Millionen Euro Vermögen kann einen Verlust von 50.000 Euro möglicherweise anders verkraften als jemand, der gerade dabei ist seine Altersvorsorge aufzubauen.
Zudem sagen vergangene Ranglistenplätze nichts darüber aus, ob eine Strategie dauerhaft funktioniert. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass sogenannte Top-Trader keiner unabhängigen Erfolgskontrolle unterliegen und Werbung häufig erfolgreiche Trades hervorhebt, während Verluste und Risiken in den Hintergrund treten.
Ein fremder Trade ist also noch lange keine eigene Strategie. Eine Strategie beginnt nicht mit der Frage, welcher Trader zuletzt erfolgreich war. Viel lieber sollten Sie sich fragen, welches Ziel Sie verfolgen, wie lange Ihr Geld arbeiten kann und welchen Verlust Sie sowohl finanziell als auch emotional tragen können.
Warnsignale für unseriöse Investment-Angebote
Ein einzelnes Warnsignal beweist natürlich noch keinen Betrug, treffen jedoch mehrere Punkte zusammen, sollten Sie weder Geld überweisen noch persönliche Dokumente versenden.
- Garantierte oder nahezu sichere Renditen: Am Kapitalmarkt gibt es keine hohen, sicheren und dauerhaft garantierten Gewinne. Punkt. Je höher die erwartete Rendite, desto höher ist regelmäßig auch das Risiko.
- Außergewöhnliche Gewinne in kurzer Zeit: Aussagen wie „zehn Prozent pro Woche“, „Verdopplung in wenigen Monaten“ oder „tägliches passives Einkommen“ haben mit seriöser Ruhestandsplanung wenig zu tun.
- Künstlicher Zeitdruck: „Nur heute“, „letzte Plätze“, „Einstieg vor dem Kurssprung“ oder „diese Chance kommt nie wieder“ sollen eine Prüfung verhindern.
- Lifestyle statt nachvollziehbarer Strategie: Sportwagen, Hotels im größten Sandkasten der Welt für Steuerflüchtlinge und Influencer und dicke Luxusuhren belegen keinen Anlageerfolg.
- Unklare Vergütung: Es bleibt offen, ob der Anbieter an Ihren Einzahlungen, Transaktionen, Verlusten, Kursverkäufen oder Affiliate-Links verdient.
- Wechsel in geschlossene Messenger-Gruppen: Eine seriöse geschäftliche Kommunikation sollte nicht ausschließlich über anonyme Chatgruppen oder private Messenger-Konten stattfinden.
- Fehlendes oder unvollständiges Impressum: Unklare Unternehmensnamen, wechselnde Internetadressen, ausländische Briefkastenanschriften oder nicht überprüfbare Verantwortliche sind deutliche Warnsignale.
- Aufforderung zum Fernzugriff: Niemand benötigt Zugriff auf Ihr Smartphone oder Ihren Computer, um Ihnen eine Geldanlage zu erklären.
- Risiken werden verharmlost: Wer nur über Chancen spricht, informiert nicht vollständig. Auch ein gutes Produkt kann ungeeignet sein, wenn Laufzeit, Schwankungen oder Liquiditätsbindung nicht zur persönlichen Situation passen. Wo Chancen sind, sind auch immer Risiken.
- Kritik wird nicht beantwortet, sondern entfernt: Ein Kommentarbereich voller begeisterter Nutzer ist kein Beweis für Seriosität. Kritische Beiträge können gelöscht und positive Kommentare über Fake-Profile erzeugt werden. Die Verbraucherzentralen nennen garantierte Gewinne, Zeitdruck, Messenger-Kommunikation, ein mangelhaftes Impressum und die Installation von Software ausdrücklich als typische Warnzeichen.
Der König-Finanzen-Check: Person, Produkt und Plan
Bevor Sie überhaupt auf ein Investment-Angebot reagieren, sollten Sie drei Ebenen getrennt voneinander prüfen.
1. Die Person: Wer spricht hier eigentlich?
Fragen Sie sich:
- Welche fachliche Qualifikation ist nachprüfbar?
- Wird der vollständige Name genannt?
- Gibt es ein ordentliches Impressum?
- Wird zwischen persönlichen Erfahrungen und allgemeingültigen Aussagen unterschieden?
- Werden Kooperationen und Vergütungen offengelegt?
- Spricht die Person auch über Fehler, Verluste und Grenzen?
Followerzahlen sind dabei nebensächlich. Eine große Reichweite zeigt, dass jemand Inhalte erfolgreich vermarkten kann. Sie zeigt nicht, dass die empfohlenen Anlagen fachlich sinnvoll sind.
2. Das Produkt: Was soll konkret gekauft werden?
Sie sollten in eigenen Worten erklären können:
- Worin investieren Sie?
- Wer verwaltet oder verwahrt das Geld?
- Welche Kosten fallen einmalig und laufend an?
- Wie können Verluste entstehen?
- Ist ein Totalverlust möglich?
- Wie kommen Sie wieder an Ihr Geld?
- Welche Laufzeit und Kündigungsbedingungen gelten?
- Welche rechtliche und steuerliche Behandlung ist vorgesehen?
Bleiben diese Fragen unbeantwortet, fehlt die Grundlage für eine Entscheidung.
Prüfen Sie außerdem, ob der Anbieter die erforderliche Erlaubnis besitzt. In der Unternehmensdatenbank der BaFin lässt sich recherchieren, welche Unternehmen beaufsichtigt werden oder eine entsprechende Erlaubnis besitzen. Eine Erlaubnis garantiert zwar keinen Anlageerfolg, fehlt sie jedoch bei einer erlaubnispflichtigen Tätigkeit, ist äußerste Vorsicht geboten.
3. Der Plan: Passt die Anlage zu Ihrem Leben?
Selbst ein seriöser Anbieter und ein grundsätzlich brauchbares Produkt ergeben noch keine sinnvolle Gesamtstrategie.
Eine Geldanlage muss zu folgenden Punkten passen:
- Ihrem konkreten Ziel,
- dem benötigten Kapital (kurz-, mittel- und langfristig),
- Ihrem Anlagehorizont,
- Ihrer verfügbaren Liquidität,
- Ihren bestehenden Anlagen,
- Ihrer Risikotragfähigkeit,
- Ihrer steuerlichen Situation,
- und Ihrer Ruhestandsplanung.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem Produkttipp und einem Konzept. Ein Produkt beantwortet die Frage: „Was kann ich kaufen?“ Ein Konzept beantwortet die Frage: „Was muss ich mit meinen vorhandenen Mitteln tun, damit ich mein Ziel möglichst planbar erreiche?“ Denn, vergessen Sie nicht: Konzept schlägt Produkt. Immer.
Was zu einer seriösen Anlagestrategie gehört
Eine tragfähige Strategie beginnt selten mit einer Aktie, einem ETF oder einem Versicherungsvertrag. Sie beginnt mit Zahlen.
Ziel und Kapitalbedarf
Wann möchten Sie finanziell unabhängig sein? Welches Einkommen soll im Ruhestand zur Verfügung stehen? Welche Rentenansprüche, Immobilien, Depots und Versicherungen bestehen bereits?
Ohne diese Einordnung bleibt jede Produktempfehlung Stückwerk.
Liquiditätsplanung
Geld, das kurzfristig benötigt werden könnte, gehört nicht unbesehen in stark schwankende oder langfristig gebundene Anlagen.
Risikotragfähigkeit
Entscheidend ist nicht nur, wie viel Risiko Sie eingehen möchten, sondern auch, wie viel Risiko Sie wirtschaftlich tragen können.
Diversifikation
Eine langfristige Strategie verteilt Risiken über verschiedene Unternehmen, Regionen, Anlageklassen oder Vorsorgebausteine. Sie hängt nicht vom Erfolg eines einzelnen Trends ab.
Kosten und Steuern
Eine hohe Bruttorendite sagt wenig aus, wenn Kosten, Steuern oder ungünstige Vertragsbedingungen den langfristigen Effekt erheblich reduzieren.
Umsetzung und Überprüfung
Eine Strategie benötigt klare Prioritäten, dokumentierte Entscheidungen und regelmäßige Überprüfungen. Sie sollte nicht bei jeder neuen Schlagzeile vollständig verändert werden.
Ein Social-Media-Video kann einen interessanten Gedanken liefern, es kennt aber weder Ihre letzte Renteninformation noch Ihre Steuerbelastung, Ihre Familie, Ihr Einkommen, Ihre bestehenden Verträge oder Ihre persönlichen Ziele.
Was Sie nach einer verdächtigen Einzahlung tun sollten
Haben Sie bereits Geld an eine möglicherweise unseriöse Plattform überwiesen, zählt jede Minute. Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank, denn eine noch nicht ausgeführte Überweisung kann möglicherweise gestoppt werden. Bei Zahlungen per Kreditkarte oder Zahlungsdienstleister sollten Sie außerdem prüfen, ob sich die Zahlung wegen Betrugs zurückholen lässt. Überweisen Sie unter keinen Umständen weiteres Geld – auch nicht für angebliche Steuern, Freischaltungen oder Auszahlungskosten.
Sichern Sie zudem sämtliche Beweise, darunter Chats, E-Mails, Telefonnummern, Internetadressen, Zahlungsbelege und Screenshots. Haben Sie Software installiert oder persönliche Dokumente übermittelt, sollten Sie Ihre Zugangsdaten unverzüglich ändern. Erstatten Sie außerdem Anzeige und melden Sie den Anbieter der BaFin. Bei Bedarf können Sie sich zusätzlich von der Verbraucherzentrale unterstützen lassen. Diese Schritte werden auch von den Verbraucherzentralen empfohlen.
Fazit: Finanzwissen ist wertvoll, Abkürzungen hier jedoch nicht.
Finfluencer und soziale Medien können dazu beitragen, Finanzthemen verständlicher und zugänglicher zu machen. Sie können Interesse wecken, Begriffe erklären und Menschen dazu bewegen, sich erstmals ernsthaft mit ihrer Altersvorsorge zu beschäftigen. Das ist positiv.
Es wird jedoch gefährlich, wenn Unterhaltung als Beratung wahrgenommen wird, kurzfristige Renditen als Beweis für dauerhaftes Können gelten oder Vertrauen allein durch persönliche Nähe, Lifestyle-Bilder und Followerzahlen entsteht.
Vermögensaufbau ist kein Wettbewerb über wenige Wochen. Ruhestandsplanung ist kein viraler Trend. Und eine gute Strategie entsteht nicht dadurch, dass man die letzte erfolgreiche Transaktion eines Fremden kopiert.
Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, benötigt keine vermeintliche Geheimstrategie. Er benötigt Klarheit über seine Ziele, seine Zahlen, seinen Zeithorizont und die Risiken, die er tatsächlich tragen kann.
Vielleicht wurde Ihnen ein bestimmtes Investment empfohlen. Vielleicht möchten Sie wissen, ob eine bestehende Lösung zu Ihrer Ruhestandsplanung passt. Oder Sie haben zahlreiche einzelne Bausteine, aber noch keinen nachvollziehbaren Gesamtplan.
Im kostenfreien 20-minütigen Erstgespräch klären wir, wo Sie aktuell stehen, welches Ziel Sie verfolgen und ob eine strukturierte Finanzplanung für Sie sinnvoll ist.
Disclaimer
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine individuelle Anlage-, Rechts- noch Steuerberatung dar. Er enthält keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Kapitalanlagen sind mit Risiken bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Welche Strategie und welche Produkte geeignet sind, hängt von der persönlichen finanziellen, steuerlichen und rechtlichen Situation ab. Steuerliche Fragestellungen sind mit einem Angehörigen der steuerberatenden Berufe zu klären.

Annalena Bichler verbindet über 6 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit Expertise in Kommunikation, Prozessstruktur und fachlicher Aufbereitung. Bei König Finanzen macht sie komplexe Finanzthemen verständlich und zielgruppengerecht zugänglich.