Riester-Reform ab 2027: Endlich mehr Spielraum, aber bitte nicht blind handeln

Das Bundeskabinett hat am Mitte Dezember die Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen – Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. 

Und ja: Das ist relevant, weil sich hier die Spielregeln ändern, nach denen Fördergelder verteilt werden und weil viele Riester-Verträge genau an den alten Spielregeln kränkeln. 

Stand: Januar 2026 – Regelungen können sich ändern. 

Inhaltsverzeichnis 

Was sich ab 1. Januar 2027 ändern soll 

Geplant ist ein Neustart der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge zum 1. Januar 2027. Die Kernidee: Neben klassischen Garantieprodukten kommt ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie dazu. Also eine geförderte, kapitalmarktorientierte Variante (z. B. mit breit gestreuten Aktien-/ETF-Anlagen).  

Das ist der Punkt, auf den viele seit Jahren warten: weniger Zwang zur „Vollkasko“, mehr Chance auf Rendite, aber eben auch mehr Verantwortung für ordentliche Produktauswahl und Kosten. 

Die drei Kernpunkte, auf die es ankommt

80 % statt 100 % Beitragsgarantie für Garantieprodukte 

Künftig sollen Garantieprodukte nicht nur mit 100 %, sondern auch mit 80 % Beitragsgarantie möglich sein. Das klingt technisch, ist in der Praxis aber entscheidend, denn eine 100%-Garantie drückt oft die Renditechancen, weil Kapital sehr defensiv angelegt werden muss. 80 % schafft realiter mehr Spielraum.  

Das garantiefreie Altersvorsorgedepot  

Neu ist die Öffnung der Förderung für ein Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgaben. Wer Renditechancen will, bekommt hier den saubersten Hebel, mit der klaren Kehrseite, dass Schwankungen dazugehören. 

Förderung wird umgebaut (und für viele verständlicher) 

Die Bundesregierung beschreibt eine Umstellung auf eine beitragsproportionale Zulage (statt der bisherigen starren Grundzulage) und mit einer Förderung bis zu einem definierten Eigenbeitrag und zusätzlichen Komponenten u. a. für Eltern. 

Was bedeutet das für bestehende Riester-Verträge? 

Wichtig, weil hier die meisten Fehler passieren: Bestehende Riester-Verträge sollen weiterlaufen. Es gibt keine automatische Umstellung. Gleichzeitig soll ein freiwilliger Wechsel in “die neue Welt” möglich werden.  

Und: Der Wechsel soll einfacher werden, unter anderem dadurch, dass Abschluss- und Vertriebskosten über die Laufzeit verteilt werden und dass eine Wechselgebühr nur in den ersten fünf Jahren (begrenzt) zulässig sein soll. Danach ist der Hebel „Wechseln, wenn es sinnvoll ist“ endlich realistischer. 

Was heißt das nun konkret? 

Nicht aus dem Bauch heraus kündigen. Prüfen Sie zuerst Förderung, Kosten, Vertragsstand, Zulagenhistorie und Ziel. Das war früher richtig und ist bei einer Reform erst recht richtig.

Was wir gut finden und wo wir skeptisch bleiben

Was gut ist 

  • Mehr Kapitalmarkt, weniger Zwangsgarantie. Das ist überfällig. Schon sehr lange. 
  • Standardprodukt /„Voreinstellungen“ als Orientierung: Das ist gut für Menschen, die keine Lust haben, selbst Portfolios zu bauen.   
  • Kosten sollen sinken, unter anderem durch Streckung der Abschluss-/Vertriebskosten und mehr Wettbewerb. Das ist der richtige Ansatz, weil hohe Kosten häufig ein echter Renditekiller sind. 

Wo wir skeptisch bleiben (und genau hinschauen werden) 

  • „Depot ohne Garantie“ ist nur dann stark, wenn die Kostenstruktur effizient ist. Ein Depot mit teurem Mantel ist kein Fortschritt, sondern alter Wein in neuer Flasche. (Der Entwurf adressiert zwar die Kosten, entscheidend ist und bleibt jedoch die Umsetzung am Markt.) 
  • 80 %-Garantie klingt nach Kompromiss – und ist es auch. Für viele kann sie passen, aber sie ist nicht automatisch „besser“. Eine Abwägung zwischen Sicherheitsbedürfnis und Renditechance bleibt unerlässlich. 

Gesetz ist noch nicht final. Zwischen Kabinettsbeschluss und endgültigem Gesetz kann sich spitzfindiges Detailwerk noch verschieben. 

Was Sie jetzt konkret tun sollten 

  1. Vertragsschublade auf, Zahlen auf den Tisch: Haben Sie einen Riester-Vertrag? Dann schauen Sie auf Kosten, Förderung, aktuelles Guthaben, Beitragsverlauf oder lassen Sie es im Zweifel von einem unabhängigen Experten prüfen.  
  1. Nicht kündigen, bevor klar ist, was Sie verlieren würden. In der Altersvorsorge ist „schnell weg damit“ selten der klügste Schritt. 
  1. Plan vor Produkt: Die Reform ist, sagen wir einmal, der “10er Schraubenschlüssel im gesamten Werkzeugkasten”. Wichtig, aber nicht alles. Entscheidend bleibt primär: Was ist Ihr Zielbild, welcher Zeithorizont, welche Risikotragfähigkeit und wie passt das zu Ihrer Steuer- und Ruhestandsplanung? 
  2. 2026 ist Beobachtungsjahr: Wir werden die finalen Regeln und die ersten echten Marktprodukte (Kosten, Flexibilität, Auszahlungslogik) prüfen, sobald sie greifbar sind. 

Fazit

Die Richtung stimmt! Mehr Flexibilität, mehr Kapitalmarkt, besserer Wechsel, potenziell weniger Kosten. 

Aber: Ob das für Sie ein echter Gewinn wird, entscheidet nicht der Titel „Reform“, sondern die nüchterne Rechnung und Prüfung der Fakten im Einzelfall – im Hinblick auf das Gesamtbild! 

Wenn Sie möchten, prüfen wir Ihre aktuelle Situation (Riester vorhanden / kein Riester, Förderfähigkeit, Kostenbild, Zielsetzung) und geben Ihnen eine klare Empfehlung: weiterführen, abwarten, oder später gezielt wechseln. Und das ohne dabei eine Ideologie zu vertreten, sondern nach Zahlen und Passung. 

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung und keine Steuerberatung. Er basiert auf den aktuell veröffentlichten Informationen und dem Gesetzentwurf (Stand Januar 2026).

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