Cyberrisiken können heute weit mehr gefährden als Daten: Sie bedrohen Bankzugänge, Geldanlagen, digitale Identitäten und bei Unternehmern ganze Geschäftsprozesse. Wir zeigen, wie Cyberkriminalität zum Vermögensrisiko wird und worauf sowohl Privatpersonen als auch Unternehmer achten sollten.

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Bei Vermögensrisiken denken die meisten Menschen zuerst an Börsenkurse, Inflation, Zinsen oder wirtschaftliche Krisen. Ein Risiko wird dabei leicht übersehen: Ein wachsender Teil unseres Vermögens ist heute direkt oder indirekt von digitalen Zugängen, Daten und funktionierenden IT-Systemen abhängig.
Online-Banking, Depot, E-Mail-Postfach, Unternehmensdaten, Cloud-Dienste oder digitale Identitäten – all das kann zum Angriffspunkt werden. Hinzu kommen immer professionellere Betrugsversuche, bei denen Künstliche Intelligenz täuschend echte Texte, Stimmen, Bilder und Videos ermöglicht.
Cyberrisiken sind deshalb längst nicht mehr nur ein Thema für IT-Abteilungen. Sie sind auch ein Vermögensthema.
Dieser Beitrag zeigt, wie Cyberkriminalität private und unternehmerische Assets bedrohen kann, welche Angriffsmuster aktuell relevant sind und warum ein durchdachter Vermögensschutz heute auch die digitale Ebene berücksichtigen sollte.
Stand: September 2026 – Regelungen können sich ändern.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Cyberrisiken auch Vermögensrisiken sind
- Wie Cyberangriffe private Assets gefährden
- Wenn aus Geldanlage Anlagebetrug wird
- Identitätsdiebstahl: Wenn Daten zum finanziellen Risiko werden
- Unternehmer: Wenn Cyberrisiken den Unternehmenswert treffen
- Cyberrisiken sind auch ein Konzentrationsrisiko
- Sieben Maßnahmen zum Schutz Ihrer finanziellen Assets
- Und was ist mit einer Cyberversicherung?
- Fazit: Vermögensschutz endet nicht beim Depot
Warum Cyberrisiken auch Vermögensrisiken sind
Ein Cyberangriff muss kein Wertpapierdepot „hacken“, um Vermögen zu gefährden. Häufig reicht es, an einer ganz anderen Stelle anzusetzen: beim E-Mail-Konto, Smartphone, bei persönlichen Daten oder beim alleinigen Vertrauen des Opfers. Das macht Cyberrisiken für die Finanzplanung besonders relevant, denn zwischen verschiedenen Vermögenswerten bestehen heute digitale Verbindungen.
Ein einfaches Beispiel: Ihr Depot kann hervorragend diversifiziert sein, wenn aber über Ihr E-Mail-Postfach Passwörter für Bank-, Broker- und andere Finanzzugänge zurückgesetzt werden können, ist Ihre digitale Infrastruktur möglicherweise deutlich weniger diversifiziert als Ihr Vermögen.
Dass Cyberkriminalität keine Randerscheinung mehr ist, zeigen aktuelle Zahlen. Laut der Global Cyber Risk and Insurance Survey 2026 von Munich Re haben 58 Prozent der Befragten bereits mindestens einen Cyberangriff im privaten Umfeld erlebt. Zu den relevanten Gefahren zählen unter anderem Online-Betrug, Phishing, kompromittierte Konten, Daten- und Identitätsdiebstahl. Die Erhebung umfasst Tausende Befragte aus 20 Ländern.
Auch deutsche Zahlen zeigen die Größenordnung: In einer repräsentativen Bitkom-Befragung für 2025 gaben 61 Prozent der Internetnutzer an, innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate direkt von Cyberkriminalität betroffen gewesen zu sein.
Man sollte sich also fragen: „Wie stark ist mein gesamtes Vermögen von digitalen Zugängen und Informationen abhängig?“
Wie Cyberangriffe private Assets gefährden
Für Privatpersonen gibt es mehrere Wege, über die aus einem Cybervorfall ein finanzieller Schaden entstehen kann.
- Phishing und übernommene Accounts
Ein klassisches Beispiel ist Phishing. Dabei versuchen Kriminelle, Zugangsdaten oder andere sensible Informationen zu erlangen, beispielsweise über täuschend echte E-Mails oder Webseiten.
Besonders problematisch ist der Zugriff auf zentrale Konten wie das persönliche E-Mail-Postfach. Dort laufen häufig Rechnungen, Bankinformationen, Vertragsunterlagen und Zurücksetzungslinks für andere Accounts zusammen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik weist darauf hin, dass Phishing-Nachrichten zunehmend professionell wirken. Informationen aus sozialen Netzwerken oder Datenlecks können zur Personalisierung genutzt werden; auch KI erleichtert die Erstellung glaubwürdiger Nachrichten. Ein kompromittiertes Passwort ist deshalb häufig nicht das Ende eines Angriffs, sondern erst dessen Anfang. - Manipulierte Zahlungen
Kriminelle müssen nicht zwingend selbst auf ein Konto zugreifen. Manchmal reicht es, das Opfer davon zu überzeugen, eine Zahlung eigenständig auszuführen. Eine vermeintliche Bank, ein angeblicher Geschäftspartner, ein falscher Supportmitarbeiter oder ein betrügerischer Anlageberater kann zum Beispiel versuchen, eine Überweisung als notwendig oder besonders dringlich erscheinen zu lassen. Genau deshalb ist Social Engineering, also die gezielte Manipulation von Menschen, finanziell so relevant: Technisch betrachtet führt das Opfer die Transaktion mitunter selbst aus. Wirtschaftlich betrachtet landet das Geld trotzdem bei Kriminellen. - Daten als Schlüssel zu weiteren Vermögenswerten
Wer über Namen, Anschriften, Telefonnummern, Ausweisdokumente, Kontoverbindungen oder andere persönliche Informationen verfügt, kann diese Daten für weitere Betrugsversuche einsetzen. Cyberkriminalität lässt sich daher nicht immer als einzelner Schaden betrachten. Ein Datenabfluss kann Ausgangspunkt für weitere Angriffe sein. Der erste Schaden ist dann möglicherweise noch klein. Die eigentliche Gefahr liegt in der anschließenden Verwendung der Informationen.
Wenn aus Geldanlage Anlagebetrug wird
Besonders relevant für Anleger ist eine Entwicklung, die mit klassischem „Hacking“ nur noch wenig zu tun hat: digitaler Anlagebetrug.
Hier versuchen Kriminelle nicht zwingend, ein bestehendes Depot zu übernehmen. Stattdessen bringen sie Anleger dazu, ihr Geld freiwillig auf eine betrügerische Plattform zu übertragen. Der Ablauf wirkt dabei häufig professionell:
- Eine Werbeanzeige verspricht attraktive Renditen.
- Bekannte Persönlichkeiten oder Medienmarken sollen Vertrauen erzeugen.
- Nach einer ersten Registrierung meldet sich ein vermeintlicher persönlicher Berater.
- Auf einer professionell wirkenden Plattform werden Gewinne angezeigt.
- Weitere Einzahlungen werden empfohlen.
- Sobald Geld ausgezahlt werden soll, entstehen plötzlich angebliche Steuern, Gebühren oder zusätzliche Voraussetzungen.
Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor entsprechenden Online-Tradingplattformen. Beschwerden betreffen unter anderem vermeintliche Investments in Kryptowährungen, Devisen und andere Finanzinstrumente. Die angezeigten Gewinne können vollständig erfunden sein.
Mehr als 700 nahezu identische „KI-Investment“-Webseiten
Wie skalierbar dieses Geschäftsmodell inzwischen geworden ist, zeigt ein besonders anschauliches Beispiel: Die BaFin warnte 2025 vor einer Serie von mehr als 700 nahezu identischen Webseiten, die mit automatisiertem Investieren beziehungsweise Trading mithilfe Künstlicher Intelligenz warben. Nach Angaben der Finanzaufsicht fehlte den Betreibern die erforderliche Erlaubnis; häufig wurde mit einer Einstiegssumme von lediglich 250 Euro gearbeitet.
Auch 2026 veröffentlicht die BaFin weiterhin regelmäßig Warnungen vor nicht autorisierten Finanz-, Festgeld-, Krypto- und Tradingangeboten sowie Fällen von Identitätsmissbrauch.
Das zeigt einen wichtigen Punkt: Cyberrisiko und Anlagerisiko wachsen zunehmend zusammen.
Die Gefahr besteht nicht nur darin, dass jemand ein vorhandenes Investment stiehlt. Sie besteht auch darin, dass digitale Manipulation dazu führt, Kapital überhaupt erst an den falschen Empfänger zu übertragen.
Deepfakes: Wenn Vertrauen digital nachgebaut wird
Auch die technische Qualität betrügerischer Werbung steigt. Die Verbraucherzentrale warnt aktuell beispielsweise vor Deepfake-Videos, in denen bekannte Persönlichkeiten scheinbar für Finanzprodukte, Trading-Systeme oder andere Angebote werben. Tatsächlich wurden Stimme, Bild oder Video manipuliert. Für Anleger ist diese Entwicklung besonders problematisch, weil ein klassischer Vertrauensmechanismus angegriffen wird.
Früher war die Frage häufig: „Sieht diese Webseite seriös aus?“. Heute reicht das nicht mehr. Eine professionell gestaltete Website kann innerhalb kürzester Zeit erstellt werden. Bewertungen können manipuliert sein. Ein Video kann täuschend echt aussehen. Eine Stimme am Telefon muss nicht zwingend zu der Person gehören, als die sie sich ausgibt. Deshalb wird eine andere Frage wichtiger:
„Kann ich unabhängig überprüfen, wer hinter diesem Angebot steht?“ Bei Finanzangeboten bedeutet das unter anderem:
- Ist das Unternehmen tatsächlich existent?
- Wer ist Vertragspartner?
- Ist ein vollständiges Impressum vorhanden?
- Besteht eine erforderliche Erlaubnis oder Aufsicht?
- Stimmen Internetadresse und Kontaktdaten?
- Werden ungewöhnlich hohe oder vermeintlich sichere Renditen versprochen?
- Entsteht künstlicher Zeitdruck?
- Können Angaben über unabhängige Quellen überprüft werden?
Ein seriöser Anbieter wird eine solche Prüfung nicht verhindern wollen.
Identitätsdiebstahl: Wenn Daten zum finanziellen Risiko werden
Nicht jeder Cyberangriff zielt unmittelbar auf vorhandenes Guthaben, denn auch persönliche Daten können selbst einen wirtschaftlichen Wert besitzen. Besonders deutlich wird das beim Identitätsdiebstahl. Kriminelle können gestohlene Informationen beispielsweise nutzen, um Konten einzurichten, Verträge anzubahnen oder weitere Betrugsversuche glaubwürdiger zu gestalten.
Ein aktuelles Beispiel liefert die Verbraucherzentrale im Zusammenhang mit unseriösen Tradingplattformen: Betroffene wurden dazu gebracht, an Video-Ident-Verfahren teilzunehmen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale wurden persönliche Daten und Identifikationsverfahren dabei teilweise genutzt, um im Hintergrund Kredite zu beantragen.
Damit bekommt der Begriff „Asset“ eine zusätzliche Dimension. Zu Ihrem Vermögen gehören nicht nur Kontoguthaben + Depot + Immobilien + Beteiligungen, sondern auch der Schutz Ihrer digitalen Identität entscheidet darüber mit, wie gut diese Vermögenswerte vor Zugriff und Manipulation geschützt sind.
Unternehmer: Wenn Cyberrisiken den Unternehmenswert treffen
Für Unternehmer wird die Betrachtung noch etwas komplexer, denn hier kann ein Cyberangriff gleichzeitig verschiedene Vermögensebenen treffen:
- vorhandene Liquidität,
- laufende Umsätze,
- Forderungen,
- Kundendaten,
- Betriebsgeheimnisse,
- Produktions- oder Dienstleistungsfähigkeit,
- Reputation,
- Rechts- und Wiederherstellungskosten
- und letztlich den wirtschaftlichen Wert des Unternehmens selbst.
Damit wird Cybersecurity unmittelbar zum Bestandteil des unternehmerischen Risikomanagements.
Die Zahlen sind entsprechend deutlich: Bitkom bezifferte den Schaden der deutschen Wirtschaft durch Cyberattacken für den Untersuchungszeitraum 2025 auf rund 202,4 Milliarden Euro. 34 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von Ransomware-Angriffen.
Im Allianz Risk Barometer 2026 stehen Cybervorfälle bereits zum fünften Mal in Folge weltweit auf Platz eins der größten Unternehmensrisiken. 42 Prozent der befragten Risikoexperten nannten Cyber als zentrale Gefahr. In Deutschland liegen Cyberangriffe ebenfalls auf Rang eins.
Ransomware bedroht mehr als Daten
Ransomware ist ein gutes Beispiel dafür, warum Cyberrisiken wirtschaftlich betrachtet werden sollten. Bei einem Angriff können Daten verschlüsselt oder Systeme blockiert werden. Gleichzeitig können Informationen gestohlen und zur Erpressung genutzt werden.
Der finanzielle Schaden entsteht damit nicht nur durch eine eventuelle Lösegeldforderung. Hinzu kommen möglicherweise:
- Produktions- oder Betriebsausfälle,
- entgangene Umsätze,
- Kosten für IT-Forensik und Wiederherstellung,
- Verzögerungen gegenüber Kunden,
- juristische und datenschutzrechtliche Themen,
- Reputationsschäden
- sowie zusätzliche personelle Belastungen.
Ein Unternehmen kann also über erhebliche Sachwerte und Liquiditätsreserven verfügen und dennoch plötzlich handlungsunfähig sein, wenn zentrale digitale Prozesse nicht mehr funktionieren.
Das BSI empfiehlt Unternehmen deshalb ausdrücklich, ihre besonders wichtigen Daten und Systeme – die digitalen „Kronjuwelen“ – zu identifizieren und entsprechend ihrer Bedeutung zu schützen. Sogar aus Vermögensperspektive ist dieser Begriff ausgesprochen passend.
Für die technische Seite der Cybersecurity arbeiten wir mit unserem Partner Levarix zusammen. Unternehmen, die ihre IT-Sicherheit professionell prüfen und weiterentwickeln möchten, finden dort einen spezialisierten Ansprechpartner.
Cyberrisiken sind auch ein Konzentrationsrisiko
Die Abhängigkeit von einzelnen digitalen Systemen ist ein weiterer, unterschätzter Punkt. Ein Unternehmer kann sein privates Vermögen über verschiedene Anlageklassen verteilen und im Unternehmen mehrere Kunden und Lieferanten haben. Gleichzeitig können zentrale Prozesse vollständig von einem einzigen Cloud-Anbieter, einer Software oder einem Administratorzugang abhängen.
Auch Privatpersonen konzentrieren digitale Risiken oftmals unbewusst: Eine E-Mail-Adresse dient für Bank, Broker, Versicherungen, Cloud-Speicher und weitere wichtige Dienste. Ein Smartphone enthält gleichzeitig Authentifizierungs-App, E-Mail-Zugang und Banking-Anwendung.
Das bedeutet nicht, dass Digitalisierung vermieden werden sollte, ganz im Gegenteil. Es bedeutet lediglich: Diversifikation und Risikomanagement sollten nicht dort aufhören, wo das Depot endet.
Sieben Maßnahmen zum Schutz Ihrer finanziellen Assets
Die absolute Sicherheit gibt es nicht. Ziel sollte deshalb auch bei Cyberrisiken nicht sein, jedes denkbare Szenario auszuschließen. Sinnvoller ist ein mehrstufiger Ansatz: Risiken reduzieren, kritische Bereiche besonders schützen und einen Plan für den Ernstfall haben.
1. Das E-Mail-Konto wie einen finanziellen Zugang behandeln
Das private oder geschäftliche Hauptpostfach ist häufig die Schaltzentrale weiterer Accounts. Deshalb sollte es besonders gut geschützt sein – mit einem individuellen Passwort sowie, wo möglich, Zwei-Faktor-Authentisierung oder geeigneten Passkey-Verfahren.
Das BSI empfiehlt für wichtige Onlinekonten ausdrücklich einen zusätzlichen Faktor und weist darauf hin, dass insbesondere E-Mail-, Banking- und andere Accounts mit weitreichenden Rechten entsprechend geschützt werden sollten.
2. Keine Passwörter mehrfach verwenden
Wird ein Passwort bei einem einzelnen Dienst kompromittiert und wurde dasselbe Passwort auch anderswo verwendet, kann aus einem Datenleck schnell eine Angriffskette werden. Ein Passwortmanager kann helfen, für unterschiedliche Dienste unterschiedliche Zugangsdaten zu verwenden.
3. Finanzielle Entscheidungen von Zeitdruck entkoppeln
Aussagen wie „Nur heute verfügbar“, „letzte Möglichkeit“ oder „Sie müssen jetzt handeln“ sind bei Geldanlagen mit Vorsicht zu genießen. Gerade bei größeren Transaktionen sollte eine einfache Regel gelten: Je größer die finanzielle Konsequenz, desto weniger sollte eine Entscheidung unter künstlichem Zeitdruck getroffen werden.
4. Finanzanbieter unabhängig überprüfen
Vertrauen Sie nicht allein auf den Link aus einer Werbeanzeige, Nachricht oder E-Mail. Prüfen Sie das Finanzunternehmen und die Ansprechpartner über unabhängige Wege und gegebenenfalls in offiziellen Registern. Besonders bei unbekannten Anbietern ist ein BaFin-Check sinnvoll.
5. Zahlungsänderungen über einen zweiten Kanal bestätigen
Für Unternehmen besonders wichtig: Ändert ein Geschäftspartner vermeintlich seine Bankverbindung oder fordert kurzfristig eine ungewöhnliche Zahlung, sollte dies über einen bereits bekannten Kommunikationsweg bestätigt werden. Nicht über die Telefonnummer aus der verdächtigen Nachricht.
6. Backups nicht nur erstellen, sondern auch testen
Für Unternehmer sind Backups zentral, um bei Datenverlust oder Ransomware handlungsfähig zu bleiben. Das BSI empfiehlt ausdrücklich regelmäßige Sicherungen und deren Funktionsprüfung. Ein Backup, das im Ernstfall nicht wiederhergestellt werden kann, ist realiter kein belastbares Backup.
7. Einen Notfallplan festlegen
Wer darf Bankzugänge sperren? Wer informiert IT-Dienstleister? Wo befinden sich wichtige Vertrags- und Kontaktdaten? Wer entscheidet im Unternehmen bei einem Cybervorfall? Solche Fragen erst während eines Angriffs zu beantworten, kostet wertvolle Zeit. Das BSI empfiehlt gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen, Zuständigkeiten, Krisenorganisation und Notfallprozesse im Vorfeld festzulegen.
Und was ist mit einer Cyberversicherung?
Eine Cyberversicherung kann Teil des Risikomanagements sein, sollte aber nicht den Ausgangspunkt der Betrachtung darstellen. Die sinnvollere Reihenfolge lautet:
Risiko verstehen → Risiko reduzieren → Notfallfähigkeit herstellen → verbleibendes finanzielles Risiko bewerten → gegebenenfalls absichern.
Gerade für Privatpersonen ist eine separate Cyberversicherung nicht automatisch notwendig. Einzelne Risiken können je nach Vertrag bereits teilweise über Hausrat-, Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherungen erfasst sein.
Bei Selbstständigen und Unternehmen kann die Situation deutlich anders aussehen. Wenn ein längerer IT-Ausfall, gestohlene Kundendaten oder eine Betriebsunterbrechung erhebliche finanzielle Folgen hätten, kann eine entsprechende Absicherung durchaus relevant werden.
Entscheidend ist aber auch hier nicht die Frage, ob man eine Cyberversicherung braucht, sondern welcher konkrete Cybervorfall ernsthaft finanziell schädigen könnte und wie man mit diesem Risiko umgeht. Erst danach lässt sich sinnvoll beurteilen, welche Risiken technisch oder organisatorisch reduziert, selbst getragen oder gegebenenfalls versichert werden sollten.
Fazit
Wer Vermögen langfristig aufbauen möchte, beschäftigt sich typischerweise mit Rendite, Kosten, Steuern, Diversifikation und Absicherung. Cyberrisiken gehören zunehmend ebenfalls in dieses Gesamtbild.
Nicht deshalb, weil jeder Cyberangriff automatisch existenzbedrohend wäre, und auch nicht, weil jede Privatperson eine zusätzliche Versicherung benötigt. Der Grund ist, dass ein erheblicher Teil unserer finanziellen Infrastruktur heute digital funktioniert.Bankzugänge, Depots, persönliche Daten, Identitäten und – bei Unternehmern – ganze Geschäftsprozesse sind Teil derselben Vermögensrealität.
Langfristige Finanzplanung bedeutet deshalb nicht nur, Kapital aufzubauen. Sie bedeutet auch, Risiken zu erkennen, die diesen Kapitalaufbau gefährden können. Und genau hier lohnt sich der Perspektivwechsel: Nicht jede Gefahr lässt sich vermeiden, aber Risiken, die man kennt, lassen sich wesentlich strukturierter einordnen.
Cyberrisiken und Ihre Finanzplanung ganzheitlich betrachten
Bei König Finanzen betrachten wir finanzielle Entscheidungen nicht isoliert. Vermögensaufbau, Ruhestandsplanung und Absicherung sollten idealiter zu einer Gesamtstrategie passen und dazu gehört auch die Frage, welche Risiken einen langfristigen Finanzplan empfindlich stören könnten. Wir ersetzen dabei weder IT-Sicherheitsexperten noch spezialisierte Cybersecurity-Dienstleister.
Wir helfen Ihnen jedoch dabei, finanzielle Risiken im Gesamtbild einzuordnen, bestehende Absicherungen zu strukturieren und zu prüfen, wo tatsächlich relevante Lücken bestehen.
Wenn Sie also wissen möchten, wie robust Ihre finanzielle Planung insgesamt aufgestellt ist, sprechen Sie uns gerne an.
Häufige Fragen zu Cyberrisiken und Vermögen
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Können Cyberkriminelle auf mein Depot zugreifen?
Grundsätzlich können kompromittierte Zugangsdaten, Geräte oder zentrale E-Mail-Konten den unbefugten Zugriff auf Onlinekonten erleichtern. Welche Transaktionen tatsächlich möglich sind und welche zusätzlichen Sicherheitsmechanismen bestehen, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Wichtige Finanz- und E-Mail-Konten sollten deshalb besonders stark abgesichert werden.
Was ist derzeit eines der größten Cyberrisiken für Anleger?
Neben klassischen Phishing-Angriffen spielt betrügerisches Online-Trading eine erhebliche Rolle. Kriminelle nutzen professionelle Webseiten, Social-Media-Werbung, falsche Berater und zunehmend auch Deepfakes, um Anleger zu Einzahlungen zu bewegen.
Sind Unternehmer stärker von Cyberrisiken betroffen?
Das mögliche Schadensausmaß kann bei Unternehmen deutlich größer sein. Neben direkten finanziellen Verlusten können Betriebsunterbrechungen, Datenverlust, Wiederherstellungskosten, Haftungsfragen und Reputationsschäden entstehen. Cybervorfälle werden im Allianz Risk Barometer 2026 weltweit als größtes Unternehmensrisiko eingestuft.
Hilft Zwei-Faktor-Authentisierung gegen Cyberangriffe?
Sie erhöht den Schutz wichtiger Konten deutlich, kann Angriffe aber nicht vollständig verhindern. Das BSI empfiehlt Zwei-Faktor-Authentisierung grundsätzlich dort, wo sie angeboten wird. Moderne Phishing-Angriffe können allerdings versuchen, auch Einmalcodes abzugreifen; deshalb bleibt ein kritischer Umgang mit Nachrichten und Login-Seiten wichtig.
Brauche ich als Privatperson eine Cyberversicherung?
Nicht zwingend. Entscheidend sind der individuelle Bedarf und bereits vorhandene Versicherungsleistungen. Teilbereiche können je nach Tarif bereits über Hausrat-, Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherungen abgedeckt sein. Bei Selbstständigen und Unternehmen kann eine Cyberversicherung aufgrund des höheren potenziellen Schadensumfangs wesentlich relevanter sein.
Disclaimer und Transparenzhinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Rechts-, IT-Sicherheits- oder Versicherungsberatung dar. Cyberrisiken und mögliche finanzielle Auswirkungen unterscheiden sich je nach persönlicher beziehungsweise unternehmerischer Situation erheblich. Aussagen zu Versicherungsleistungen sind stets abhängig vom jeweiligen Tarif und den zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen. Für technische Cybersecurity-Fragen sollte bei Bedarf ein entsprechend qualifizierter IT- beziehungsweise Informationssicherheitsexperte hinzugezogen werden.

Theresa Eisgruber ist bei König Finanzen auf Absicherungskonzepte und existenzgefährdende Risiken spezialisiert. Sie prüft Absicherungsfragen strukturiert und zeigt verständlich auf, welche Risiken wirklich relevant sind.